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Time4Musical   Cyrano am Theater Bielefeld
15.09.2015 von musicalmicha



Am 06.09.2015 fand in Bielefeld die Premiere von Koen und Ad van Dijks Cyrano statt. Thomas Winter inszeniert dieses Stück mit viel Liebe zum Detail, die sich auch in seiner Personenregie wiederfindet. Eine seiner Ideen ist es, das eigentlich durchkomponierte Stück mit Dialogtexten aus dem Originalschauspiel, in der deutschen Übersetzung von Ludwig Fulda, zu ergänzen. Dieses geschah natürlich mit dem Einverständnis der beiden van Dijk Brüder, die der Premiere beiwohnten. Dadurch bekommt das ganze Stück noch mehr den Charakter der damaligen Zeit.

Ulv Jakobsen hilft mit seinen Kostümen und Bühnenbildern, die dem 17 Jahrhundert angelehnt sind, diesen Eindruck noch zu verstärken. Die von Jochen Schmidtke und Jean-Loup Fourure hervorragenden ausgearbeiteten Fechtszenen tun ihr Übriges dazu. Genauso die Choreographien von Veronique Lafon, die ebenfalls der Zeit angepasst waren. Alles in allem hat das Kreativteam das Beste aus dem Stück heraus geholt. Leider hat der erste Teil einige Längen, was aber dem Buch zu schulden ist. Im zweiten Teil nimmt das Stück richtig Fahrt auf und ist an Dramatik nicht zu überbieten.

Musikalisch begleitet wird das Stück wieder mal von dem hervorragenden William Ward Murta, der nicht nur zeigt, was ein Kammerorchester kann, sondern auch sehr gut mit den Akteuren auf der Bühne harmoniert und so das Stück zur Gesamtheit führt.



Hier die Handlung:
Cyrano de Bergerac ist nicht nur Mitglied der Gascogne Kadetten und ein hervorragender Fechter, sondern auch ein grandioser Dichter. Er leidet jedoch unter seiner großen Nase und verheimlicht deshalb seine wahren Gefühle für die schöne Roxane. Diese gesteht ihm, sich in den jungen, gut aussehenden Christian de Neuvillette verliebt zu haben. Der wiederum erwidert Roxanes Zuneigung, versteht sich ganz im Gegensatz zu Cyrano aber nicht darauf, seine Liebe in poetische Worte zu fassen, und bittet den unerkannten Nebenbuhler Cyrano nichts ahnend um Hilfe. So leiht der Poet Christian sein dichterisches Talent und schreibt an dessen Stelle Liebesgedichte für die Angebetete. Jedoch liebt noch ein dritter Mann Roxane: General de Guiche. Er schickt Cyrano und Christian an die Front nach Spanien, um sich seiner Konkurrenz zu entledigen. Dort setzen die beiden ihr Leben aufs Spiel, bis ihre Geheimnisse mit Roxanes plötzlichem Auftauchen – kurz vor der alles entscheidenden Schlacht – aufzufliegen drohen … (Quelle: Theater Bielefeld)


Die Cast ist mit hochkarätigen Namen geschmückt, so wie es das Theater Bielefeld garantiert:

Cyrano de Bergerac:
Veit Schäfermeier spielt grandios den verzweifelt verliebten Dichter und Musketier, der das Sprachrohr des schönen Christian wird, da er sich selber nicht traut Roxane seine Liebe zu gestehen, weil er unter seiner zu großen Nase leidet. Gesanglich ist er voll in der Lage, alle Emotionen, die sich in der Rolle befinden, dem Publikum nahe zu bringen. Sei es der draufgängerische Musketier oder der sensible Poet.



Roxane:
Lucy Scherer zeigt schauspielerisch alles, was der Charakter hergibt. Von dem jungen, naiven verliebten Mädchen, das sich von dem schönen Äußeren Christians blenden lässt, bis zur gereiften trauernden Frau, die gleich 2 mal ihre große Liebe verliert.

Christian de Neuvillette:
Fabio Diso ist schauspielerisch gut, aber etwas blass. Leider blieb er auch gesanglich hinter den Erwartungen zurück.

General de Guiche:
Alexander Franzen ist ein sehr guter Gegenspieler von Cyrano. Diesen ebenfalls in Roxane verliebten Bösewicht spielt er mit voller Intensität. Gesanglich perfekt, was er in dem neuen Solo, welches als Einleitung des Zeitsprunges des Finales von den van Dijk Brüdern geschrieben wurde, noch mal voll zur Geltung bringen kann.

Le Bret:
John Wesley Zielmann ist der perfekte Schauspieler für die Rolle. Man nimmt ihm den sehr besorgten Freund Cyranos in jeder Szene ab. Er setzt mit seinem Schauspiel immer wieder neue Akzente.

Ragueneau:
Carlos H. Rivas hat den Auflockerungs-Part des Stückes übernommen. Immer, wenn er auf die Bühne kommt, wird man für ein paar Minuten von der Dramatik abgelenkt, was ihm mit seinem Spiel und seinem Gesang auch mühelos gelingt.



Der Rest des Ensembles ist großartig besetzt, jeder geht in seiner Rolle auf und füllt sie glaubhaft.

Der Opernchor des Theater ist wieder sehr engagiert dabei, muss sich aber noch ein wenig mit dem Orchester in der einen oder anderen Szene einspielen. Die Kraft, die in den Chorszenen rüberkommt, ist schon sehr gut!

Wenn ihr also Zeit und Lust habt, macht euch auf den Weg nach Bielefeld! Es ist ein Stück, das man sich als Musicalfan nicht entgehen lassen sollte.

Weitere Termine und Tickets gibt es hier:
http://www.theater-bielefeld.de/


Hier findet sich die Bildergalerie



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